Zwischen Mistral und Kaminrauch - Vorweihnachtszeit in der Provence
- epicure-vaucluse
- 30. Nov. 2025
- 6 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 15. Dez. 2025


Vorweihnachtszeit im Mas l'Epicure
Wenn der Mistral über die Weinberge von Vacqueyras fegt und die letzten Blätter von den Reben reißt, beginnt für mich im Mas l'Epicure die eigentliche Vorweihnachtszeit in der Provence an. Die Luft ist glasklar, der Himmel oft von einem fast unwirklichen Blau, und doch kriecht die Kälte durch jede Fuge der alten Steinmauern.Im alten Mas wird es kalt, denn die Temperaturen Ende November sind unter 5 Grad und die Fühltemperatur ist bei Mistral, der jetzt häufiger vorkommt, im Minusbereich.

Draußen ist der Winter spürbar – drinnen aber beginnt diese leise, warme Zeit, in der sich die Provence und meine eigenen, deutschen Traditionen begegnen.
An meiner Seite: mein Vizsla , mit seinem rötlichen Fell, geschmeidig, sensibel und immer bereit für einen Spaziergang zwischen den Reben.
Advent im Vaucluse – deutsche Kerzen, provenzalisches Licht
In der Provence kennt man den Adventskranz nicht als traditionellen Bestandteil der

Vorweihnachtszeit.
Die „calendale“-Periode beginnt hier am 4. Dezember mit der heiligen Barbara und den Aussäen von Weizen oder Linsen.

Die kleinen grünen Halme stehen für Glück und eine gute Ernte im nächsten Jahr. Anfangs hab ich das auch probiert, aber nach dem Misserfolg hätte es im Jahr darauf bei mir keine Ernte und kein Glück gegeben.
Tradition trifft Wurzeln
Im Mas l'Epicure trifft diese südliche Tradition auf meine nördlichen Wurzeln:
Auf dem Tisch steht ein deutscher Adventskranz mit vier Kerzen.
Während draußen die Dörfer dezent beleuchtet sind, Märkte in Carpentras mit kandierten Früchten, Nougat und Zitrusfrüchten locken, zünde ich im Haus Kerze für Kerze an und erzähle meine Gäste und Nachbarn von der Bedeutung des Advents, der deutschen Tradition.
So entsteht ein stiller Austausch: Sie berichten von der Mitternachtsmesse und der Bedeutung des 25. Dezember, ich von den vier Adventssonntagen und dem Warten im Kerzenschein. Zwei Welten, die sich nicht widersprechen, sondern ergänzen.
Spaziergänge zwischen Reben und Wind
Wenn der Mistral an den Fensterläden rüttelt, zeigt sich Vacqueyras von seiner winterlichen Seite. Die Weinberge liegen ruhig, die Reben haben ihre Arbeit getan. Die Landschaft reduziert sich auf
Linien, Farben und Licht: dunkle Stöcke, blasser Himmel, klare Luft, aber sonnig.

Mein Vizsla liebt diese Tage. Mit seinem rötlichen Fell ist er fast ein Teil der Landschaft – ein

wärmer, lebendiger Akzent zwischen Erde und Himmel. Wir laufen durch die Felder, manchmal gegen den Wind, manchmal mit ihm. Es riecht nach feuchter Erde, nach Holz, nach der nahenden kalten Nacht und hier und da gibt es Bagger in den Weinfeldern, die einiges für die gute Ernte im nächsten Jahr richten.
Zurück im Mas l'Epicure wartet ein Kontrast, den ich nicht missen möchte.
Wärmende Kamine statt rauschender Heizung

Das alte Steinhaus könnte problemlos von der Klimaanlage beheizt werden – effizient, schnell, sauber und geräuschvoll. Aber genau das mag ich in dieser Jahreszeit nicht.
Ich ziehe es vor, die beiden Kamine zu nutzen.
Das Feuer muss vorbereitet werden, Holz aufgeschichtet, Flammen behutsam entfacht.
Mit jedem Scheit wächst die Wärme und breitet sich langsam im Haus aus. Es ist eine Wärme, die der Mensch bewusst wahrnimmt, weil sie nicht auf Knopfdruck entsteht.
Der Vizsla sucht sich instinktiv den besten Platz vor dem Kamin oder in seinem Kuschelbett, rollt sich zusammen und schläft ein, während das Knistern des Holzes den Raum füllt.
Die Wärme, der Geruch von Rauch und ein paar Kerzen verwandeln das Mas l’Epicure in einen stillen, behaglichen Rückzugsort.
Stollenbacken in der Provence – ein Duft aus dem Norden


Während rund um Carpentras die Zutaten für die 13 Desserts auf den Märkten angeboten werden, zieht in meiner Küche ein anderer Duft ein:
Ich backe Stollen .
Schwere Teige, kandierte Früchte, Mandeln, Cranberrys, Gewürze – Aromen, die für mich untrennbar mit der Vorweihnachtszeit verbunden sind.
In der Provence ist Stollen kein fester Bestandteil der Tradition, und gerade deshalb bereitete es mir Freude, ihn hier zu backen.
Der Kamin knistert, der Vizsla döst, und aus dem Ofen kommt dieser typische Duft, der Erinnerungen weckt und gleichzeitig etwas Neues erschafft.
Wenn die Laibe abgekühlt sind, schneide ich die ersten Scheiben an – und der Rest wird verpackt und an Nachbarn verteilt. Wenn das nicht ausreicht, gibt es noch das Stollengebäck als kleines Mitbringsel oder hier zum Kaffee.
So wanderte ein Stück meiner eigenen Geschichte durch das Dorf, von Haus zu Haus.
Es fügt sich ein zwischen Nougat, kandierten Früchten und all den süßen Dingen, die hier zur Jahreszeit gehören, ohne etwas verdrängen zu wollen.
Dezente Dekoration: Baum, Zweige, Kerzen
Während in Deutschland Lichtermeere und überladene Dekorationen dominieren, bleibt es im

Mas l'Epicure bewusst schlicht:
ein Weihnachtsbaum, der abends sanft im Fenster leuchtet
Zweige aus den Weinbergen, Olivenhainen und der Steineiche mit ihren nussförmigen Früchten
Glaswindlichter auf Fensterbänken und im Garten
im Eingangsbereich ein Adventskranz als persönliches Symbol
Ich habe keine Santons und keine große Krippenlandschaft. Meine Provence spielt sich vor der Tür ab – in den Weinbergen, auf den Märkten, in den Dörfern.
Drinnen möchte ich Raum lassen: für Ruhe, Gespräche, das Knistern von Feuer und das leise Atmen eines schlafenden Hundes.



Der Rhythmus der Region: Märkte, 24. und 25. Dezember- Vorweihnachtszeit in der Provence

In der Region um Carpentras veränderte sich die Stimmung im Dezember spürbar. Auf den Märkten dominieren jetzt Winterfrüchte, Nüsse, Honig, kandierte Spezialitäten. Die Menschen kaufen ein für festliche Mahlzeiten, für den 25. Dezember , der in Frankreich der eigentliche Feiertag ist.

Der 24. Dezember bleibt ein Arbeitstag, hat aber dennoch Gewicht: Viele Familien bereiten am Abend das traditionelle Gros Souper zu, ein festliches, meist fleischloses Weihnachtsessen vor der Mitternachtsmesse. Der 25. gehört dann der Familie, einem langen Mittagessen und oft einem Spaziergang im Winterlicht.
Im Mas l'Epicure fügt sich das ein in meinen eigenen, ruhigen Ablauf: Spaziergänge, Kaminfeuer, eine Küche, in der sich deutsche und provenzalische Einflüsse ganz selbstverständlich begegnen.
Und wenn es mal turbulenter zugehen soll, mische ich mich unter die Menschen
Zwischen Kaminfeuer im Mas l'Epicure und Spaziergängen durch die Weinberge liebe ich die kleinen Ausflüge auf die Weihnachtsmärkte der Umgebung:
nach Beaumes-de-Venise Ende November
nach Carpentras an den Adventswochenenden
nach L'Isle-sur-la-Sorgue mit seinem Markt rund um die Kanäle und
nach Vaison-la-Romaine , wo Lichter, römische Kulisse und Weihnachtsbuden eine ganz eigene Stimmung schaffen.
In Carpentras lohnt sich in der Vorweihnachtszeit nicht nur ein Bummel durch die „Noëls insolites“, sondern auch ein Blick in das Programm der Kathedrale Saint-Siffrein, eine römisch- katholische Kirche. Ein absolutes Klangerlebnis und nicht zu übersehen an Grösse und den schönen Glasmalereien des 15. Jahrhunderts.
Immer wieder finden dort Orgel- und Chorkonzerte statt – manchmal sogar mit besonderen Formaten wie Konzerten für Orgel und Alphörner. Wer Musik liebt, sollte vor seinem Besuch unbedingt einen Blick in das aktuelle Kulturprogramm der Stadt werfen.
Ruhiges Silvester in der Provence – ankommen statt ausgelassen feiern

Während in vielen Städten die Silvesternacht von zentralen Feuerwerken und großem Lärm geprägt ist, ist der Jahreswechsel in Vacqueyras und Umgebung eher leise.
In vielen Orten, auch in Vaqueyras, wird nur zum Nationalfeiertaag Frankreichs für alle und kostenlos ein Feuerwerk veranstaltet. Wer will kann es bestaunen. Genau das schätze ich hier besonders.
Leiser Jahreswechsel im Weinberg
Für alle, die den Jahreswechsel ohne großes Spektakel, aber mit Zeit, Raum und gutem Essen erleben möchten, bietet das Mas l'Epicure eine zurückhaltende Möglichkeit:
ein kleines Haus im Wein, fern von Feuerwerkstrubel
Platz für etwa 8–10 Erwachsene , die gemeinsam ins neue Jahr gehen möchten
ein Silvestermenü , das regionale Produkte mit meiner eigenen Kochleidenschaft verbindet
ein entspannter Neujahrsbrunch , der den ersten Tag des Jahres langsam und genussvoll beginnen lässt
Wer möchte, kann für den Jahreswechsel drei Nächte bleiben, Spaziergänge durch die Weinberge unternehmen, abends am Kamin sitzen und die besondere Stille dieser Zeit erleben.
Es ist kein lautes Angebot und keine große Inszenierung – eher eine Einladung, den Jahreswechsel in einem Haus zu verbringen, das von Kaminfeuer, Weinbergen und einem freundlichen Hund bewohnt wird. Und ja: Selbst in diesem Jahr ist das noch möglich , solange der Kalender es zulässt.

Zwischen Weinberg und Kaminlicht
Die Vorweihnachtszeit im Mas l'Epicure ist kein großes Spektakel. Sie besteht aus vielen stillen Momenten:
Mistral, der an den Weinreben zerrt
einem rötlichen Vizsla, der den Winter nur mit Mantel liebt
Knisterndes Kaminfeuer in alten Steinmauern
dem Duft von Stollen in einer provenzalischen Küche
Kerzenlicht statt greller Beleuchtung
Es ist eine Zeit, in der die Provence langsamer wird und das Leben im Haus intensiver wird. Wer sie hier erlebt hat – ob in Gedanken, als Gast oder mit Freunden – spürt, wie Mistral und Kaminrauch , Weinberg und Winterruhe sich zu einem ganz eigenen Jahresausklang verbinden.

Wenn die Tage kurz sind, der Mistral über die Reben fegt und die Kamine im Mas l’Epicure ihren eigenen Rhythmus vorgeben, verlagert sich mein Leben ganz selbstverständlich in die Küche. Genau dann beginnt für mich die schönste Zeit des Jahres: Wenn aus einfachen Zutaten Geschichten werden – auf dem Teller und im Herzen.
Zwischen deutschen Erinnerungen und provenzalischem Alltag ist in den letzten Jahren eine ganz eigene Küche entstanden: mit Stollen, den ich an meine Nachbarn verschenke, mit schmorendem Boeuf bourguignon, das langsam im Ofen vor sich hinblubbert, und mit Entengerichten, die perfekt zu einem stillen Winterabend in den Weinbergen passen.
Viele meiner Gäste fragen mich nach den Rezepten – und genau deshalb habe ich angefangen, sie aufzuschreiben. Wer möchte, kann jetzt also nicht nur vom Mas l’Epicure lesen, sondern es sich auch nach Hause kochen.
In meinem nächsten Beitrag nehme ich euch mit in meine Küche und teile die Rezepte für meinen Stollen, das Stollenkonfekt für zwischendurch, mein Boeuf bourguignon und ein winterliches Entengericht aus der Provence.




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