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Vacqueyras – Fünf Jahrhunderte zwischen Papst, Rebe und Provence- die Geschichte von Vacqueyras

  • epicure-vaucluse
  • 26. Apr.
  • 10 Min. Lesezeit
alte Zeichnung schwarz weiss mit Dorfkern mit Kirche und Stadtmauer

Ein Streifzug durch die Geschichte von Vacqueyras, eines Dorfes, das man nicht nur geniessen, sondern auch lesen sollte.

Google Karte Vacqueyras Grenze mit Mas Epicure, neuzeitlich

Wer nach Vacqueyras kommt, bemerkt zunächst die Stille. Dann die Farben der Fassaden, das Silbergrün der Olivenhaine, dahinter die Dentelles de Montmirail, wie eine steinerne Kulisse.

Es ist ein Ort, der zum Verweilen einlädt, zum langsamen Abend auf der Terrasse, zum Glas Wein, das man nicht eilig trinkt.

Doch unter dieser heiteren Oberfläche liegt eine erstaunlich dichte Geschichte – eine, die weit über den Wein hinausreicht und die dieses kleine Dorf an der Grenze zwischen weltlicher und geistlicher Macht verortet. Es interessiert die Geschichte von Vacqueyras.


Ein Dorf unter dem Kreuz des Papstes


Die Geschichte von Vacqueyras lässt sich nicht erzählen, ohne eine eigentümliche politische Konstellation zu verstehen: Über fünfhundert Jahre lang, von 1274 bis 1791, war dieses Dorf kein Teil Frankreichs. Es gehörte zum Comtat Venaissin, einem päpstlichen Territorium mitten in der Provence.

Als die Grafschaft Toulouse nach dem Tod des letzten Grafen an den Heiligen Stuhl fiel, wurde Vacqueyras – zuvor Teil des Marquisats der Drôme – auf einen Schlag zu päpstlichem Land.

Was das bedeutete?

Zunächst: Keine französischen Steuern.

Keinen Militärdienst für den König.

Die Bewohner des Comtats lebten in einer Art Sonderstatus, regiert von einem päpstlichen Rektor mit Sitz in Carpentras, der ab 1320 die Hauptstadt des Gebiets wurde. Ihm zur Seite standen die drei Stände – Adel, Klerus und Vertreter der Gerichtsbezirke.

Es war ein System, das Stabilität und gewisse Freiheiten bot, zugleich aber eine Welt für sich blieb: ein Stück Italien in Frankreich, ein Zipfel Rom in der Provence.

Erst 1791, mitten in den Erschütterungen der Revolution, stimmte die Dorfversammlung von Vacqueyras für den Anschluss an Frankreich.

Fünf Jahrhunderte päpstlicher Zugehörigkeit endeten mit einer Abstimmung.


Familien, die das Dorf prägten


Wer in Vacqueyras herrschte, wechselte – aber nur selten.

Nach den Grafen von Toulouse übernahm um die Mitte des 14. Jahrhunderts die Familie Vassadel die lokale Macht.

Es war die Zeit nach der großen Pest von 1348, die ganz Europa veränderte, und die Vassadels sollten den Ort für über dreihundert Jahre prägen.

Ihr Sitz war die Burg von Vacqueyras, die sie im 17. Jahrhundert aufwendig restaurieren ließen.

1688 ging die Herrschaft durch Heirat an eine neue Familie über: Marie-Charlotte Vassadel ehelichte Joseph-Mathias de Lauris-Castellane, Marquis d'Ampuis.

Mit den Lauris-Castellane kam ein Name an die Spitze, der in der Provencegeschichte Gewicht hatte – und der für eine der pikantesten Anekdoten des Dorfes sorgen sollte.

In den 1760er Jahren nämlich verliebte sich Laure de Lauris-Castellane, die junge Tochter des Herrn von Vacqueyras, in einen ebenso jungen wie berüchtigten Adligen: den Marquis de Sade. Ihr Vater unterstrich sein Missfallen auf die damals übliche Weise – er unterband die Verbindung strikt.

Man darf annehmen, dass er dabei nicht nur an die Familienehre dachte, sondern auch an den bereits damals zweifelhaften Ruf des jungen Marquis.


Saint-Barthélemy – Herz aus Stein und Gold


Im Zentrum des Dorflebens stand über die Jahrhunderte die Pfarrkirche Saint-Barthélemy.

Ihre erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1137, als eine Kirche in „Vaqueiracio" im Bistum Orange verzeichnet wurde. Damals war sie ein kleiner romanischer Bau, an die Stadtmauer gelehnt – bescheiden, zweckmäßig, dem Geist der Zeit entsprechend.

Saint-Barthélemy ist die Kirche des Dorfes. Sie ist das steinerne Zeugnis dafür, dass in Vacqueyras über 500 Jahre lang die kirchliche Autorität (Carpentras/Avignon) die höchste Instanz war – noch vor jedem König oder Staat.

...und im 20. Jarhundert zeigte sich in Vaqueyras die Ehre

.Wie tief der Glaube und der Eigensinn der Gemeinde reichten, zeigte sich noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Als 1905 nach der Trennung von Kirche und Staat französische Beamte das Kircheneigentum inventarisieren wollten, verweigerten der örtliche Priester und die Gemeinde schlichtweg den Zutritt.

Die sogenannte „Krise der Inventare" war in ganz Frankreich ein Politikum – in Vacqueyras wurde sie zu einer Frage der Dorfehre.


Die Rebe – älter, als man denkt


Vacqueyras trägt heute das Siegel einer der angesehensten Appellationen des südlichen Rhônetals. Doch die Wurzeln reichen weiter zurück, als mancher Weinführer vermuten lässt.

Bereits 1414 tauchen Weinreben im Kataster des Dorfes auf. Ein gutes Jahrhundert später, 1521, sind 85 von 480 Parzellen mit Reben bepflanzt – verteilt auf rund fünfzig Eigentümer.

Das ist kein aristokratischer Großbetrieb; das ist ein Dorf, in dem viele Hände an der Rebe arbeiten.

Zwischen 1596 und 1671 wächst die Rebfläche stetig von 60 auf 78 Hektar.

Die Nähe zum päpstlichen Hof in Avignon erwies sich als Segen: Im 14. Jahrhundert schuf die Präsenz des Papstes eine gewaltige Nachfrage nach regionalem Wein.

Im 17. Jahrhundert lieferte Vacqueyras nachweislich an lokale Klöster – der Wein des Dorfes hatte also nicht nur weltliche, sondern auch geistliche Abnehmer.

Besonders reizvoll ist ein Detail, das ein Statut von 1670 überliefert: Damals war die sogenannte „Hautain"-Kultur verbreitet – Reben, die an Feigenbäumen hochgezogen wurden.

Wein und Feige teilten sich den Platz, und das Statut drohte Schafhaltern Strafen an, deren Tiere in solchen Mischkulturen Schaden anrichteten.

Wer heute durch die Weinberge von Vacqueyras geht, kann sich dieses Bild vor Augen rufen: Reben, die sich an knorrigen Feigenbäumen emporranken, die mediterrane Sonne auf den Blättern.

1724 war der Weinbau so wertvoll geworden, dass die Gemeinde eigens einen

„garde-vigne" einstellte – einen Weinbergwächter, der die Reben vor Diebstahl schützen sollte. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts besaß das Dorf zwei Gemeindepressen; die Bauern konnten sie zu Hause nutzen, für vier Sous (Währung vor der französischen Revolution , heute etwa 2-3 €-, soviel bezahlte man damals für ein Schlaflager) pro Ladung.

Als Vacqueyras 1791 an Frankreich fiel, wurden seine Weinberge offiziell der Appellation Côtes du Rhône zugeordnet – der erste formale Schritt auf einem Weg, der schließlich zum eigenständigen Cru ( beronderes Territorium- Kalkstein oder Schiefer z.B. ) führen sollte.

Unter den Weinhäusern, die diesen Weg begleiteten, verdient eines besondere Erwähnung: Die Familie Arnoux & Fils ist seit 1717 in Vacqueyras ansässig und damit eines der ältesten Weingüter der Gegend – ein stilles Zeugnis der Kontinuität. Das Weingut ist heute noch immer aktiv (Weinberge auf dem Plateau des Garrigues westlich von Vaqueyras) und noch immer ein Familienbetrieb und sie vermarkten noch unter dem Namen Vaqueyras 1717 Arnoux & Fils.


Mauern, Tore und die Angst vor der Pest


Vacqueyras war kein offenes Dorf, sondern ein befestigter Ort.

Mauern aus dem 15. Jahrhundert umschlossen die Häuser, und bis 1760 gab es nur ein einziges Tor – „Le Portail", das Torhaus, über dem heute ein Glockenturm aus dem 19. Jahrhundert thront. Erst 1761 wurde ein zweites Tor nahe der Kirche durchgebrochen, „Le Portail Neuf" – ein Zeichen, dass das Dorf wuchs und die alten Mauern zu eng wurden.

Dass Mauern nicht nur Prestige, sondern Überlebensnotwendigkeit waren, zeigte die Große Pest von 1720–1721.

Zum Schutz des Comtats wurde damals die legendäre „Mur de la Peste" errichtet – eine 27 Kilometer lange Trockensteinmauer, die das päpstliche Gebiet von der Seuche abschirmen sollte. Sie hielt nicht. Die Pest erreichte die Region und tötete rund 22 Prozent der Bevölkerung des Comtats.

In Vacqueyras selbst erinnert die Kapelle Notre Dame de Pitié de Coste de Coa, (nur erreichbar über einen Wanderweg , im Waldgebiet Coste de Coa https://www.google.com/maps/@44.128888,4.986699,17z?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDQyMi4wIKXMDSoASAF), erbaut 1635, an eine noch frühere Heimsuchung – die Pestepidemie von 1628 bis 1631.

Es ist ein schlichter Bau, doch in seiner Existenz liegt ein ganzes Kapitel aus Angst, Gebet und stiller Hoffnung.



Salz, Wind und Zypressen


Anfang 19.Jahrhundert, Leben auf dem Dorf, altes Foto in schwarz weiss - Bau der Wagenräder aus Holz. Auf dem Foto 7 Personen des früheren Jahrhunderts

Das Leben im Comtat war kein Idyll – aber es hatte seine eigene, stille Raffinesse.

Die Kleine Eiszeit, die Europa vom 14. bis ins 19. Jahrhundert in ihrem Griff hielt, machte die Winter härter und die Ernten unberechenbar.

Die Bauern der Region begegneten dem mit bemerkenswerten Techniken:

Fortschrittliche Bewässerungssysteme und das sogenannte „Comtadin Bocage" – ein System aus Zypressenhecken, die die Parzellen vor dem Mistral schützten – prägten die Landschaft, wie sie es in Teilen noch heute tun, wie auch beim Mas l'Epicure.

Und dann war da der Schmuggel, denn Vacqueyras hatte eine Lage in der Grenzregion, das zum päpstlichen Comtat Venaissin gehörte. Zwischen diesem Gebiet und Frankreich gab es eine Zoll- und Preisgrenze.

Der Salzpreis lag im Comtat erheblich unter dem französischen Niveau, was im 18. Jahrhundert zu einem regen, heimlichen Handel über die Grenze führte. Es ist eine Fußnote der Geschichte, aber eine, die das Bild vervollständigt: Vacqueyras war nicht nur ein Ort des Weins und des Gebets, sondern auch ein Ort, an dem man die Grenze – und ihre Möglichkeiten – sehr genau kannte.


Ein Troubadour und sein spätes Denkmal


Kein Streifzug durch Vacqueyras wäre vollständig ohne Raimbaut de Vacqueyras (ca. 1165–1207), den berühmtesten Sohn des Dorfes.


Ein Stück Identität: Die Statue des Troubadours Raimbaut de Vaqueiras in Vacqueyras auf einer alten Postkarte (ca. Anfang 20. Jahrhundert).

Troubadour, Dichter, Ritter – und enger Freund des Bonifatius von Montferrat, mit dem er am Vierten Kreuzzug teilnahm. Raimbauts Briefe gelten als wichtige historische Quellen über die Belagerung von Konstantinopel; sein Tod bei Thessaloniki um 1207 ist wahrscheinlich, aber nicht endgültig belegt.

Die Statue, die heute im Dorf an ihn erinnert, wurde allerdings erst 1899 errichtet – kein mittelalterliches Denkmal also, sondern ein Zeichen des erwachenden lokalen Stolzes im 19. Jahrhundert.

Das mindert ihren Charme nicht.

Im Gegenteil: Sie erzählt gleich zwei Geschichten – die des mittelalterlichen Poeten und die eines Dorfes, das sich Jahrhunderte später auf seine Wurzeln besinnt.


Die Grand Rue de Vacqueyras feiert ihr Debüt im 20. Jahrhundert

Was bleibt


Vacqueyras ist heute vor allem für seinen Wein bekannt, und das zu Recht. Doch wer hier ein Glas hebt, hebt es in einem Dorf, das fünfhundert Jahre lang päpstlich regiert wurde, dessen Reben an Feigenbäumen wuchsen, dessen Mauern Pestepidemien standhalten sollten und dessen Familien den Marquis de Sade höflich vor die Tür setzten.

Es ist diese Tiefe, die einen Ort von einer bloßen Lage unterscheidet. Die Geschichte sitzt mit am Tisch – man muss nur zuhören.



was noch zu ergänzen bleibt, um es besser zu verstehen:


Ein Dorf unter dem Kreuz des Papstes Die Geschichte von Vacqueyras lässt sich nicht erzählen, ohne eine eigentümliche politische Konstellation zu verstehen: Über fünfhundert Jahre lang, von 1274 bis 1791, war dieses Dorf kein Teil Frankreichs.

Es gehörte zum Comtat Venaissin, einem päpstlichen Territorium mitten in der Provence.

Als die Grafschaft Toulouse nach dem Tod des letzten Grafen an den Heiligen Stuhl fiel, wurde Vacqueyras – zuvor Teil des Marquisats der Drôme – auf einen Schlag zu päpstlichem Land.

Was das bedeutete? Zunächst: Keine französischen Steuern. Keinen Militärdienst für den König. Die Bewohner des Comtats lebten in einer Art Sonderstatus, regiert von einem päpstlichen Rektor mit Sitz in Carpentras, der ab 1320 die Hauptstadt des Gebiets wurde. Ihm zur Seite standen die drei Stände – Adel, Klerus und Vertreter der Gerichtsbezirke.

Es war ein System, das Stabilität und gewisse Freiheiten bot, zugleich aber eine Welt für sich blieb: ein Stück Italien in Frankreich, ein Zipfel Rom in der Provence.

Erst 1791, mitten in den Erschütterungen der Revolution, stimmte die Dorfversammlung von Vacqueyras für den Anschluss an Frankreich.

Fünf Jahrhunderte päpstlicher Zugehörigkeit endeten mit einer Abstimmung. Familien, die das Dorf prägten.


Der Weinbau als wirtschaftliche Grundlage


Der Weinbau war in Vacqueyras früh nachweisbar und gewann im Lauf der Jahrhunderte stetig an Bedeutung.

Dabei muss man ihn als Teil der ländlichen Ökonomie verstehen, nicht als isolierten Sonderzweig. Die Rebe war eine Nutzpflanze unter anderen, aber eine mit wachsendem wirtschaftlichen Gewicht.

Die Nähe zu Avignon, insbesondere zur päpstlichen Hofhaltung, schuf in der Region früh einen Absatzmarkt für Wein.

Der kirchliche und höfische Bedarf förderte die Ausdehnung des Weinbaus im südlichen Rhônegebiet. Vacqueyras profitierte davon, ebenso von der Einbindung in regionale Handels- und Besitzstrukturen.

Der Wein war also nicht nur Produkt des Bodens, sondern auch Ergebnis politischer und kirchlicher Nachfrage.

Im 17. und 18. Jahrhundert war der Weinbau bereits ein zentraler Bestandteil des Dorflebens. Gleichzeitig blieb er von lokalen Regeln, Wachschutz, Gemeindestrukturen und der Gefahr von Diebstahl oder Schaden abhängig. Dass Wein in Vacqueyras früh geschützt, reguliert und verwaltet wurde, zeigt seinen wirtschaftlichen Wert.

Steinerner Dorfbrunnen auf der Place de la Grand Font in Vacqueyras, ein historischer achteckiger Wasserbecken aus Naturstein mit zentraler Säule vor einer alten Natursteinmauer im Departement Vaucluse, Provence.
Die Fontaine- nicht trinkbar und daneben befand sich der Waschplatz

Was wurde ausser Wein und Oliven noch angebaut?


Im 18. und 19. Jarhundert war Vacqueyras, wie viele Orte in der Provence, ein Zentrum der Seidenraupenzucht.

Allerorts wurden Maulbeerbäume angepflanzt, um mit deren Blättern die Seidenraupe zu füttern.

Das war das weisse Gold der Bauern und die Zucht der Raupen erfolgte in speziellen Dachgeschossen (Magnaneries).

Interessant auch, Vacqueyras war lange Zeit Produzent von nur Tafelwein.

Erst durch die Hartnäckigkeit der Winzerfamilien (wie auch Arnoux) wurde der Boden so veredelt, das er 1990 zum eigenständigen Cru ernannt wurde- in der Weinwelt der Ritterschlag.

Es wurde ausserdem Weizen ( Blé) angebaut, das wichtigste Getreide der Region und Grundnahrungsmittel. Man fand früher goldene Weizenfelder auf den flacheren Gebieten.

Auch Dinkel (Petit Épeautre) hat seine jahrtausendalte Tradition, da es sehr robust ist und gut mit den kargen, steinigen Böden der Region zurecht kam.

Gerste (Orge) wurde für das Vieh angebaut, für die Pferde und Ochsen, deren Arbeit in den Olivenhainen und Weinbergen unerlässlich waren.

Und nicht zuletzt Roggen (Seigle) auf den höher gelegenen Böden, die anspruchslos dem Wetter und der Bodenbeschaffenheit waren.

In alten Katasterplänen des 18. Jarhunderts (päpstliche Verwaltung) waren riesige Flächen als Getreideland verzeichnet. Das Getreide aus Vacqueyras und seiner Umgebung galt als qualitativ hochwertig, wegen seinen kalkhaltigen Böden, die heute den Wein so gut machen.


Es gab auf den Hügeln rund um das Dorf Windmühlen zum Kornmahlen, da der Mistral genutzt wurde.

An der Ouvèze gab es Wassermühlen, die als Mehrzweckanlagen genutzt wurden für Getreide und Oliven. Gebacken wurde das Brot in gemeinschaftlichen Backöfen (Four Banal), meist herrschaftliches oder kirchliches Eigentum. Die Dofbewohner mussten diese gegen eine kleine Gebühr nutzen.

Zu finden sind die Spuren dieser Getreidevergangenheit allerorts noch heute.

Aber da der Wein profitabler war und die Reblauskrise (Ende des 19. Jahrhunderts) alles verkomplizierte, erfolgte später die wirtschaftliche Spezialisierung - Wein.


Kriege und das 20. Jahrhundert


Auch die beiden Weltkriege hinterließen in Vacqueyras deutliche Spuren.

Der Erste Weltkrieg traf wie überall in Frankreich vor allem die jungen Männer des Dorfes.

Viele wurden eingezogen, manche kehrten nicht zurück.

Auf dem Land bedeutete das einen doppelten Verlust: menschlich und wirtschaftlich. Arbeitskräfte fehlten, Familien wurden belastet, und die Erinnerung an die Gefallenen wurde Teil der lokalen Identität.

Nach 1918 war der Krieg in den Dörfern nicht vorbei. Er blieb in Denkmälern, Familienerinnerungen und in der Struktur des Alltags präsent. Wie in vielen Gemeinden Frankreichs steht das Gedenken an die Toten des Krieges für einen tiefen Einschnitt in die Dorfgemeinschaft. Zu finden sind die Ehrentafeln auch in der Marie (Bürgermeisteramt) von Vacquerias.


Der Zweite Weltkrieg brachte erneut Unsicherheit, Knappheit und politische Belastung. Auch wenn Vacqueyras kein Schlachtfeld war, erlebte das Dorf die Auswirkungen von Besatzung, Mangelwirtschaft und der allgemeinen Spannungen der Jahre 1939 bis 1945.

Für ländliche Gemeinden wie diese, war der Krieg vor allem ein Zustand der Entbehrung und der Vorsicht. Landwirtschaft, Versorgung und soziale Stabilität gerieten unter Druck.


Historische Fotografie der Grand Rue in Vacqueyras um 1900, zeigt Frauen in traditioneller ländlicher Kleidung mit Schürzen in einer unbefestigten Dorfstraße, gesäumt von mehrstöckigen Steinhäusern im Comtat Venaissin, Provence.
Früher war das die Gemeinde- heute eine Schule und rechts davon ist heute ist jetzt die Boulangerie

Wer den Ort historisch betrachtet, sieht ein Dorf, das lange zwischen Papsttum, Bischofssitz und bäuerlicher Lebenswelt stand. Heute ist es ein Ort der Elite-Weine, ein Winzerdorf mit über 30 unabhänigen Weingütern und ca. 1200 Einwohnern, engen Gassen, einer alten Steinmauer und einer hohen Lebensqualität abseits des Massentourismus und man kann die

>>Flüssige Geschichte<< heute in Flaschen kaufen.


Weinernte in der Vaucluse, Eimer von dem Wein in den roten Anhänger geschüttet wird, Tätigkeit im Weinanbaugebiet

Ich freue mich auf ein Zusammentreffen bei mir im Mas l'Epicure – mitten in dieser lebendigen Geschichte, die mich zumindest sehr beeindruckt hat.

Ich hoffe es geht Euch ähnlich und wir geniessen gemeinsam einen Schluck dieser "Flüssigen Geschichte" an meinem Tisch.

Eure Christina



 
 
 

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