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Vom Leben und Halt finden und Freundschaft in der neuen Heimat

  • epicure-vaucluse
  • 27. Nov. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

blühender Lavendel im Sommer


Es gibt Begegnungen, die unser Leben leiser und zugleich grösser machen.


Als ich vor 4 Jahren am 3.Januar nach Frankreich kam, war da keiner, nur mein treuer Gefährte IX an meiner Seite.

Damals kannte ich noch kaum jemanden. Zu den Arbeitskollegen von 2015, als ich die 6 Monate in Carpentras im Restaurant arbeiten durfte, hatte ich keinen Kontakt mehr.


Meine Wahlheimat - wo bist Du ?


In Vorbereitung auf meine Ausreise, ein Jahr davor, stellte sich mir die Frage, wohin denn dort in Frankreich, wo fühle ich mich so richtig wohl, wo kann meine Wahlheimat sein? 

 Ich nahm mir also ganz allein die Zeit und bereiste für kurze Übernachtungen die Ardeche, die Camargue und dann zog es mich wieder nach Carpentras und dem Mont Ventaux, der stätig eine grosse Anziehungskraft auf mich ausübt.


In der Ardeche und Camargue fühlte ich mich nicht wohl. Eine Region hatte zu viel Wasser und kaum Herzlichkeit, die andere war trotz Meer zu sandig und fade.

Also ab nach Carpentras. Dort fand ich eine Unterkunft über Booking, ein gehobenes Mas zum Sonderangebot, genau für meine 2 Nächte. 


Zuerst fand ich es garnicht. Ich wollte es nicht wahr haben. Hinter solch einem prächtigen Tor mit prunkvollen Anwesen darf ich kurzzeitig wohnen? Aber mein Navi bestand darauf, das es genau das ist.

So war das mit meinen Gedanken im Kopf, den Paradigmen die mir sagten, ich bin nicht gut genug, das ist doch viel zu schön für mich.



Patrice, Fabie und Christina im Garten und hinten ist das alte Mas zu sehen

Nach der Begrüssung eines netten Ehepaares war ich überwältigt vom schönen Garten, dem Pool und der Warmherzigkeit der beiden.

All das fühlte sich sofort richtig an, ich fühlte mich wie eine kleine Prinzessin.


Bilder im Kopf und Freundschaft im Herzen


Mein französisch war noch sehr verhalten, aber nach einem schönen Aufenthalt mit einigen Wanderungen und Besuchen der Stadt, Carpentras und der Umgebung hatte ich genaue Vorstellungen von meiner Zukunft. So erklärte ich der Besitzerin Fabie: „Genau so möchte ich das auch einmal haben- ein so schönes chambres d’hôtes, irgendwann einmal.“ Sie lächelte nur. 


Erst viel später gestand sie mir, sie dachte ich bin ein bisschen verrückt. 


Heute lobt sie mich dafür, dass ich meinen Traum wirklich umgesetzt habe.

Aus Bekanntschaft wurde Nähe, aus Nähe Freundschaft. 

Diese zufälligen Begegnungen meine ich, wenn Du Dich auf den Weg machst und Dich überraschen lassen kannst..Ja, das Leben überrascht uns so manches Mal und später dann erkennen wir, das alles so sein sollte .


Mein Entschluss stand fest. Diese Region ist es, irgendwo in der Vaucluse.


Meine erste Zeit als Ausreiserin nach Frankreich


Angekommen in Carpentras nach 15 Stunden Fahrt mit Ixi, empfingen mich Fabie und Patrice voller Herzlichkeit.

Ich durfte in ihrem Gîtes , einer seperaten 2- Zimmer Wohnung mit kleinem Garten, meine erste Zeit von Jan. bis März 2021, dem Frühling in der Provence, verbringen. 

Ich fühlte mich geborgen, auch wenn ich mich mit Fabie und Patrice nicht täglich sah,  sie waren da und standen mir zur Seite, gaben Mut und Unterstützung in dieser tristen Covidzeit, wo Begegnungen untersagt waren und einkaufen schwer.

Sie gaben mir Tips zur Haussuche besonders, wenn ich berichtete, welches Haus ich gerade besichtigt habe, wo die Lage war und ob es für ein chambres d'hôtes geeignet ist.



Wo Schönes auf Echtes trifft


Das erste Pandemiestadium war beendet und jeder hoffte auf ein "altes" Leben.

Mein Gîtes sollte wieder an Gäste vermietet werden, denn ich durfte dort zum Sonderpreis leben.

Ich zog in ein Zimmer in eine Wohnsiedlung in Isle sur la Sorgue zu einer Deutschen, die schon 15 Jahre in Frankreich lebte.

Es war echt eine Notunterkunft für Ixi und mich und Covid ging in die 2. Phase.

Es trieb mich an mein Haus zu suchen, leider waren die Angebote sehr begrenzt. Das war eine Zeit, wo ich echt zu kämpfen hatte. Ich holte mir Unterstützung bei einem Coaching.

Das gab mir Halt und ich fand Wege Lösungen zu finden, statt die Opferhaltung einzunehmen.

Ein Lebenscoaching, das meine Pardigmen auf den Kopf stellte und mich zu einer anderen Persönlichkeit formte. Wer bin ich jetzt- wer will ich sein, was sind meine Ziele, worauf ich mich konzentrierte.

Spruch auf blauem Hintergrund mit blauer Blume am unteren Rand

Meine neue Heimat ist gefunden


Als ich dann mein Mas, mein altes Bauernhaus 6 Monate später gefunden habe, waren ich nicht mehr allein.

Sofortige Handlung war notwendig, denn durch die Pandemie suchten viele ein Haus auf dem Land.


Fabie und Patrice waren stets an meiner Seite. Im Mai 2021 besichtigten wir natürlich gemeinsam, was ich gefunden hatte. Ein gutes Team zu meiner Unterstützung, das viele Dinge beleuchtete, abwägte und gemeinsam plante.

Der Vorkaufvertrag wurde unterschrieben.

Dann mussten Fristen eingehalten werden, zum Notar, wieder warten, weil die Frau des Hausbesitzers, die den Vertrag mit unterschreiben musste, nicht einreisen durfte.

Aber dann endlich am 26.Juli 2021 bekam ich den Schlüssel zu meinem Haus.

Mas l'Epicure im Mai 2021

Bereits im letzten Blogbeitrag https://www.masepicure.com/blog

erwähnte ich, dass ich durch die beiden Lieben meinen Allrounder zum Umbau des Mas l’Epicure entdeckte.

Sie fanden Wege, während Covid, gaben Ideen, packten mit an und machten mich auch mit ihren Freunden bekannt. Wir verbrachten so manche geselligen Stunden, die mir das Leben in Frankreich vertrauter machten.

Eine Unterstützung, aber auch so viel Liebe und Zwischenmenschlichkeit, die mir als Ossikind bekannt, aber entfallen waren. 


Zwischen uns wuchs etwas, das man schwer in Worte fassen kann.

Wärme, Vertrauen, Liebe.


Wie eine Krankheit den Blick verschiebt


Es ist Herbst 2025.

Patrice ist schwer erkrankt- Lungenkrebs.

Mit einer solchen Diagnose verschiebt sich der Horizont.

Plötzlich zählt nicht mehr, was vorher selbstverständlich schien.

Von- ruf an, wenn Du was brauchst, wird wir schaffen  heute gerade so den Tag.

Ich weiss, dass ich auf ihre für mich so gewohnte Hilfe nicht mehr zählen darf.

Jetzt bin ich es, die Hilfe anbieten darf.

Es macht traurig und verändert einiges,- für sie- für uns- für das was war und wirft einen kleinen Schatten auf das Paradies.

Und doch ist da grosse Dankbarkeit für alles, was geblieben ist: Erinnerungen, Gesten, Blicke

die sagen „Wir sind da“, auch wenn das „Da“ jetzt anders aussieht.

Patrice ist stark und hat einen festen Willen- ich hoffe so, er wird das überstehen.

Für mich ist ganz klar, ich werde sie entlasten.


Geht es anderen auch so?


Ja, viele die in ein anderes Land gezogen sind, berichten von dieser stillen Zäsur. Der engste Kreis wird durch Krankheit, Umzug und ein anderes Leben plötzlich kleiner. 

Man steht da, mit Aufgaben die weiterlaufen und einem Herzen, das festhalten möchte.

Es ist normal zu trauern, wütend zu sein, sich schuldig zu fühlen, weil man noch immer Unterstützung braucht. 


Was jetzt bleibt, ist vor allem Dankbarkeit.

Für die Wege, die wir gemeinsam gegangen sind, für Hände die mit angepackt haben und für mein schönes zu Hause, das unsere Spuren trägt.

Auch wenn sich jetzt einiges ändert und ich neue Formen der Hilfe finde, bleibt ein festes Band bestehen- leiser vielleicht, aber nicht weniger tief. 

Ich trage die beiden in jeden Raum bei mir und vertraue darauf, das auch dieser Abschnitt seine eigene Sanftheit findet.


Freundschaft in der neuen Heimat – leiser, aber tief verbunden


In all dem spüre ich, wie kostbar Freundschaft in der neuen Heimat ist.

Sie zeigt sich in kleinen Gesten, in einem geteilten Schweigen, in einem Blick, der sagt „Ich kenne deine Geschichte“. Auch wenn sich Umstände ändern und Kräfte schwanken, bleibt diese Freundschaft ein leiser Anker in meinem Alltag in der Provence. Sie erinnert mich jeden Tag daran, dass Heimat nicht nur ein Ort ist, sondern vor allem Menschen, die bleiben – im Leben und im Herzen.


Wenn du Ähnliches erlebt hast, freue ich mich, von dir zu lesen: Wie gehst du weiter, wie bleibt Nähe, auch wenn Kräfte schwanken? Schreib mir gern eine E-Mail über das Kontaktformular – lass uns einander Mut machen und zeigen, wie Freundschaft in der neuen Heimat tragen kann.


 
 
 

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